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Volksinitiative
für die Ungleichbestrafung
von Straftätern ausländischer
Staatsangehörigkeit mit Pressekonferenz |
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Eine Versteckte
Aktion für die öffentliche mediale Bühne
gegen die Ausschaffungsinitiative der SVP und den
Gegenvorschlag ihrer Helfershelfer |
Ausschaffungsinitiative wie Gegenvorschlag verlangen eigentlich Ungeheuerliches:
die Ungleichbestrafung von Straftätern ausschliesslich ihrer
Staatsangehörigkeit wegen. Wie würden die Reaktionen sein,
wenn die Forderung nach Sonderstrafen für AusländerInnen
in einer offenen und plumpen Form gestellt würde: als Forderung,
dass AusländerInnen längere Haftstrafen zu erleiden haben
sollten als Schweizer?
Diesen Versuch hat eine Gruppe Theaterschaffender gemacht, und eine
Volksinitiative lanciert, welche genau dieses fordert. Die Hoffnung
war, eine Diskussion in der Öffentlichkeit darüber auszulösen,
und v.a. PolitikerInnen und KommentatorInnen zu Statements zu bewegen,
welche dann auch den BefürworterInnen von Ausschaffungsinitiative
und Gegenvorschlag entgegengehalten werden könnten.
Das Experiment ist trotz gelungener künstlerischen Durchführung
an fehlender Medienresonanz gescheitert. Die Initiative wird zurückgezogen.
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Dokument: Video der Pressekonferenz
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Idee/Konzept/Regie:
Ohad Lustig
SchauspielerInnen (alphabetisch):
Simon Affolter, Eva Allenbach, Stefan Pfister, Gian Rudin, Siavash
Succurety
In einer Phantom-Rolle als “Co-Aussenminister“ des Initiativkomitees:
Patrick Wermelinger
Websupport:
Tom Schneider
Mit der äusserst mutigen Unterstützung einiger Bürgerinnen
und Bürger, die aus grösster Besorgnis über die Zustände
in diesem Land als Initiativkomitee für ein Anliegen unterzeichnet
haben, welches sie zutiefst verabscheuen – in der Hoffnung,
damit zu seiner Bekämpfung beizutragen. |
Die
Idee zu dieser Aktion kam bereits im ersten Drittel diese Jahres;
lange bevor die Initiative für die Einführung der Todesstrafe
die Menschen aufschreckte, und lange bevor Dr. Alois Stocher mit OLAF
für “seine“ brachiale “Lösung der Ausländerfrage“
durch die Medien geisterte.
Der Gedanke war folgender:
„Ausschaffungsinitiative wie Gegenvorschlag verlangen eigentlich
Ungeheuerliches: die Ungleichbestrafung von Straftätern ausschliesslich
ihrer Staatsangehörigkeit wegen. Die Empörung in der Öffentlichkeit
hält sich in Grenzen. Dabei verstösst das gegen elementarste
Gerechtigkeitsvorstellungen. Würde das den Arbeitslohn betreffen,
würde das gemeinhin als unfair empfunden.
Aber wie würde es ausschauen, wenn die Ungleichbestrafung auf
eine viel offenere Art verlangt, auf transparentere Art vonstatten
gehen würde? Wie würde die Öffentlichkeit reagieren,
was würden PolitikerInnen und KommentatorInnen sagen, wenn eine
Volksinitive lanciert würde, welche offen die Sonderbestrafung
in Form der Verlängerung der Haftdauer bei und wegen ausländischer
Staatsangehörigkeit des Täters verlangt? Würde die
Ableitung zusätzlicher Strafen wegen Überrepräsentanz
von Ausländern in der Kriminalstatistik, so wie in den öffentlichen
Debatten diesbezüglich durchaus argumentiert wird, noch als akzeptabel
empfunden, wenn dieser Konnex eben ganz direkt propagiert würde
– z.B. in der Erstreckung der Haftstrafe genau um den Faktor,
um welchen die Straffälligkeit von Ausländern diejenige
von Schweizern übersteigt? Oder, um es noch spitzfindiger zu
machen, um den Faktor, um welchen die Staatsangehörigen, welchen
der Straftäter angehört, häufiger Delikte begehen?
Vielleicht sogar noch aufgeschlüsselt nach Deliktkategorie?
Die Reaktionen sind abzusehen: Das Vorhaben würde in den Kommentaren
als absurd, verfassungswidrig, diskriminierend und als ungültig
zu befinden taxiert. Dabei wären die Konsequenzen für die
Betroffenen, zumindest bei den Strafmassen im unteren und mittleren
Bereich der Skala, bei weitem viel weniger drakonisch als bei der
Verbannung aus der faktischen Heimat.“
(aus dem Konzept “Gegen den Skandal der Ausschaffungsinitiative
der SVP: eine Aktion Versteckten Theaters im öffentlichen medialen
Raum. Die gefakete Lancierung einer Volksinitiative für die Verlängerung
der Haftstrafen bei und wegen ausländischer Staatsangehörigkeit“)
Und so hat man es sich dann vorgestellt:
Eine kleine Gruppe von SchauspielerInnen lädt zur Pressekonferenz.
Sie geben sich aus als politisch rechts denkende, Parteien und staatlichen
Institutionen aber eher distanziert gegenüberstehende Leute,
SVP-sympathisierende Individualisten, ein wenig so etwas wie rechtsstehende
Anarchisten. Deshalb sind sie politische Unbekannte. Aber Initiativen
finden sie eine gute Sache, es sind in den letzten Jahren auch schon
mehrere von politischen Aussenseiterinnen lancierte Volksbegehren
erfolgreich gewesen. Sie wollen etwas tun gegen „die grassierende
Ausländerkriminalität“, und so lancieren sie nun das
oben beschriebene Volksbegehren “Für die härtere Bestrafung
ausländischer Straftäter“. Sollten sie auf die Ausschaffungsinitiative
angesprochen werden, so finden sie die „eine ganz gute Sache“,
dies reiche jedoch nicht aus: „Ausländische Kriminelle
kriegen da auch noch das Ticket für die Heimfahrt auf Kosten
der Steuerzahler geschenkt, statt für ihre Untaten richtig zu
büssen.“
Auf die absehbaren, oben skizzierten, Reaktionen von PolitikerInnen
und KommentatorInnen, auf die Artikel in “Blick am Abend“
und “20 Minuten“ darf man gespannt sein. Nach 1-2 Wochen
kann die Aktion im doppelten Sinne “aufgelöst“ werden
– und die Gesellschaft mit der Frage konfrontiert, warum ein
solcher Gesetzesvorschlag so absurd und verfassungswidrig sei, die
ungleich brutalere Ausschaffungsinitiative jedoch ein “berechtigtes
Anliegen“ aufgreife...
(aus dem Konzept “Gegen den Skandal der Ausschaffungsinitiative
der SVP: eine Aktion Versteckten Theaters im öffentlichen medialen
Raum. Die gefakete Lancierung einer Volksinitiative für die Verlängerung
der Haftstrafen bei und wegen ausländischer Staatsangehörigkeit“)
Natürlich gab es neben “ethischen“ Zweifeln
auch Skepsis ob der Realisierbarkeit:
Grösste Schwierigkeit ist das erfolgreiche täuschen der
Journalisten. Die Initiative sollte vorher tatsächlich bei der
Bundeskanzlei registriert werden, die SchauspielerInnen tragen Namen,
welche Recherchen über Telefonverzeichnisse verunmöglichen,
eine Person steht mit Handynummer für Stellungnahmen weiter zu
Verfügung, in der Bloggosphäre können Spuren gelegt
werden. Eine kompetente Regie kann mit präziser ethnographischer
Figurenzeichnung die Personen habituell glaubwürdig gestalten.
Die Partizipation einer Person sichtbar fremdländischer Herkunft
könnte gerade der Absurdität dieser Konstellation wegen
– welche ja nun doch gerade immer häufiger Realität
wird – die Glaubwürdigkeit erhöhen. Auch Szenarien
eines Misslingens schliessen einen Nutzen durch Publizität nicht
aus.
(aus dem Konzept “Gegen den Skandal der Ausschaffungsinitiative
der SVP: eine Aktion Versteckten Theaters im öffentlichen medialen
Raum. Die gefakete Lancierung einer Volksinitiative für die Verlängerung
der Haftstrafen bei und wegen ausländischer Staatsangehörigkeit“)
Dokument: Konzeptskizze
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